Mrz 08

Auf Freie Welt ist eine Diskussion lanciert worden über “bedingungsloses Grundeinkommen” vs. “liberales Bürgergeld”. Ich habe meinen Kommentar dort eingschickt, will ihn aber hier auch direkt servieren:

Beim liberalen Bürgergeld fällt ins Gewicht, dass es an die Bedingung der Bedürftigkeit geknüpft ist. Eine Bedingung aber muss definiert werden und untersteht damit der politischen Willkür der gerade installierten Regierungsclique. Zum Beispiel besteht die Gefahr, dass man die Bedürftigkeitsschwelle dynamisch definiert, um sich deren jährliche Anpassung und der damit in Verbindung stehenden Auseinandersetzungen zu entledigen. Also zum Beispiel 40 Prozent des Einkommensmedianes. Was dann zur Folge hat, dass bei konjunkturell steigenden Einkommen die Anzahl Bedürftiger automatisch zunimmt. Voilà!

Eine Bedingung aber will auch verwaltet werden, denn es muss deren Zutreffen ja festgestellt werden. Ein Heer von Beamten, rekrutiert aus den Tausenden jährlicher Abgänger sozio-philosophischer Studienrichtungen, wird damit nicht zu vermeiden sein. Ebenso wenig wie Bedürftigkeitsdetektive, welche den Bedürftigen hinterher Schnüffeln, ob sie wirklich nicht noch irgendwo schwarz ein Zubrot verdienen.

Dass das Netto nichts bringt, scheint auf der Hand zu liegen und wenn ich mich richtig erinnere, hatte dies auch Milton Friedmann irgendwann mal erkannt.

Von der Einfachheit her würde da viel eher das bedingungslose Grundeinkommen bestechen. Doch diese Theorie geht von einem falschen Begriff der Arbeit aus und funktioniert deswegen nicht.

Vertreter des BGE wie Ralph Boes behaupten, dass die Rationalisierungsprozesse Arbeit abschaffen und dafür Arbeitslosigkeit schaffen. Ein Schelm, wer ausgerechnet in dieser Frage eindimensional denkt! Diesen Vorgang hat nämlich schon Frédéric Bastiat in seiner Schrift “Ca q’on voit, et ça q’on ne voit pas” beschrieben. Im Kapitel VIII steht Eingangs die Provokation: “Fluch den Maschinen! Jedes Jahr stößt ihre vordringende Macht Millionen von Arbeitern in den Pauperismus, indem sie ihnen die Arbeit nimmt, mit der Arbeit den Lohn, mit dem Lohn das Brot! Fluch den Maschinen!”

Diese widerlegt er dann später mit folgenden Ausführungen:

Hans Biedermann besaß zwei Franc, die er zwei Arbeiter verdienen ließ. Aber nun erdachte er ein Arrangement aus Seilen und Gewichten, das die Arbeit um die Hälfte vermindert.

Also erhält er die gleiche Befriedigung, spart einen Franc und entlässt einen Arbeiter. Er entlässt einen Arbeiter; das ist, was man sieht . Und weil man nur dies sieht, sagt man: “Da sieht man, wie das Elend der Zivilisation folgt, wie die Freiheit der Gleichheit verderblich ist. Der menschliche Geist hat eine Eroberung gemacht und sofort ist ein Arbeiter für immer in den Abgrund des Pauperismus gefallen. Es ist allerdings möglich, dass Hans Biedermann weiterhin beide Arbeiter arbeiten lässt, aber er wird nur jedem zehn Sous geben, weil sie sich untereinander Konkurrenz machen und sich zu herabgesetztem Preis anbieten. So werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Man muss die Gesellschaft neu organisieren.”

Ein schöner Schluss und würdig des Anfangs! Glücklicherweise sind Anfang und Schluss alle beide falsch, denn hinter der Hälfte des Phänomens, die man sieht , steht die andere Hälfte, die man nicht sieht. Man sieht nicht den gesparten Franc von Hans Biedermann und die notwendigen Wirkungen dieser Ersparnis. Denn durch seine Erfindung gibt Hans Biedermann nur noch einen Franc für Handlanger aus, um eine bestimmte Befriedigung zu verfolgen, ihm bleibt ein anderer Franc. Wenn es also auf der Welt einen Arbeiter gibt, der seine unbeschäftigten Hände anbietet, so gibt es auf der Welt auch einen Kapitalisten, der seinen unbeschäftigten Franc anbietet. Diese beiden Elemente treffen und verbinden sich.

Und es ist klar wie der Tag, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage an Arbeit, zwischen Angebot und Nachfrage an Lohn kein bisschen anders geworden ist. Die Erfindung und ein Arbeiter, bezahlt mit dem ersten Franc, vollbringen jetzt das Werk, das vorher zwei Arbeiter vollbracht haben. Der zweite Arbeiter, bezahlt mit dem zweiten Franc, verwirklicht ein neues Werk.

Gibt es also eine Veränderung auf der Welt? Es gibt eine nationale Befriedigung mehr, mit anderen Worten, die Erfindung ist eine kostenlose Eroberung, ein kostenloser Gewinn für die Menschheit.

Ende Zitat.

Deshalb komme ich zum Schluss: Das bedingungslose Grundeinkommen verhindert (oder mindestens behindert) Innovation, weil es den Innovativen, die investieren möchten, die Arbeiter verteuert.

Die Frage dreht sich daher nicht um Bürgergeld oder bedingungsloses Grundeinkommen. Sondern: Welche Alternativen gibt es in der klassischen liberalen Literatur dazu.

Antworten

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